Sankt Pölten 70.3 Ironman 2016

Warum machen wir Triathlon?? Manche wollen Titel und Pokale sammeln, andere das Extreme erkunden und über sich selbst hinauswachsen. Ich mache Triathlon, weil es mir einfach Spaß macht und ich dann hemmungslos meiner Leidenschaft für reichlich leckers Essen und Trinken nachgehen kann :-)

Ich habe mich dieses Jahr für eine Mitteldistanz in Österreich entschieden und durfte das erste mal dem Ironman Trubel fröhnen.

Nachdem mein größter Widersacher Andi verletzungsbedingt absagen musste, habe ich noch schnell den unparteiischen und aktuell auch verletzungsbedingt unsportlichen

Samstag das Eis

 Hans als meine Begleitung aquiriert. Am Samstagmorgen gings dann los. Also Auto vollpacken und dann einmal in Richtung Niederösterreich aufbrechen. Kaum angekommen haben wir zuerst die üblichen Vorbereitungen (Check In usw.) durchgezogen und dann auf zur Wettkampfbesprechnung. Im Bierzelt wurde dann allen erklärt das bei 16,1 Grad 

Wassertemperatur geschwommen wird aber die vorher heißbegehrten Neoprensocken verboten sind... Naja wir sind erstmal ins Stadtzentrum aufgebrochen und haben bei einem Teller Pasta den Flair und die Stadt genossen. Beim Verspeißen der leckeren Pasta stellte sich mir die Frage, warum Triathleten eigentlich keine normalen Klamotten sondern nur Sportklamotten besitzen oder sind die immer alle im Training? Wenn ja, weiß ich warum ich nie gewinne... egal Hauptsache es schmeckt.

In unserer Unterkunft angekommen haben wir zunächst einmal das imposante Stift Melk bewundert und festgestellt, dass das Donau-Hochwasser von 2013 im Vergleich zum Jahr 1501 und anderen historischen Flutkatastrophen eher niedrig war. Für das Abendessen haben wir dann nochmals die Eiweißspeicher mit Hilfe eines ordentlichen Steaks gefüllt und ich durfte bei Hans´ Weinverkostung nur zusehen :-( Scheiß Sport... aber in Vorraussicht auf den erhöhten Kalorienbedarf am nächsten Tag gönnen wir uns noch ein schönes Eis mmmmh.

Wettkampf 1412Nach einer etwas kurzen und unruhigen Nacht (dünnen Wände und liebestollen Nachbarn sei Dank) gehts dann auf zum Start um 7 Uhr nach St Pölten. Dieses Jahr wurde zum ersten mal der Rolling Start eingeführt. Das bedeutet, dass nach den ungefähren Schwimmzeiten immer Einer nach dem Anderen im Halbsekundentakt ins Wasser geht. Dadurch wird das "Verprügeln" beim Schwimmen besser, aber aufgrund der eingeschränken Konkurrenz fehlt auch ein bisschen der Ansporn des Massenstarts. Kurz vor dem Wettkampf hat sich der Veranstalter auf Facebook gerühmt, das Seegras ordentlich geschnitten zu haben... Ich habe davon im ersten See nichts gemerkt (das Schwimmen hatte eine gewisse Parrallele zu einer Dschungeldurchquerung). Im zweiten See ging es dann nach einer kurzen Laufeinheit zwischen den Seen weiter und seltsamerweise ging bei der letzten Boje das "Verprügeln" wieder los?? Woher kommen die denn jetzt auf einmal alle? Egal ich flüchte nach vorne und steige nach einer für mich guten 38 Minuten Schwimmzeit aus dem Wasser. Der erste Wechsel funktioniert trotz des für mich neuen Wechselzeltes und ich darf dann bei strahlendem Sonnenschein aufs Radl steigen. 

 

Auf den ersten Kilometern geht es auf der Autobahn in Richtung Wachau. Irgendwie ist es schon geil mit dem Zeitfahrer auf der linken Spur zu fahren :-). Danach geht es Wettkampf 1431in den ersten Berg, hier erkennt man wieder dass der Triathlet (auch ich) klassischer Weise für die Ebene und nicht den Berg trainiert ist. Bei der Fahrt duch die pittoresken Weinberge ärgere mich wieder über die verpasste Weinprobe von gestern aber gleichzeitig wird beschlossen, hier in der Wachau einmal einen Urlaub zu verbringen. Nach 65km geht es dann bei leichtem Gegenwind zurück in Richtung St. Pölten und rauf auf den zweiten Berg. Dieser ist nicht extrem steil aber lang und wird hintenraus immer schwerer. Im Wiegetritt stellt mir ein Mitstreiter die gern gehörte Frage "Warum machen wir den Schei...?". Geantwortet habe ich "weils geil ist" und ein paar andere Dinge die aber hier nicht wiederholt werden sollen, aber es hatte etwas mit Schach und Nerds und meinem IQ zu tun. Nach diesem schneidigen Anstieg gehts dann bei leichtem Gegenwind wieder relativ unspektakulär zurück nach St. Pölten und auf in die letzten und zumeist schmerzhafteste Disziplin: das Laufen.

In der Wechselzone 2 finde ich auch meine zuvor verlorengeglaubten Gummibärchen für die Laufstrecke in meinen Laufschuhen wieder ;-). Kaum sind die Laufschuhe dran geht es bei praller Sonne und 30° Grad auf zum Halbmarathon. Die ersten zwei km läuft es sich wie immer "komisch", weil die Beine noch immer auf treten und nicht auf laufen geeicht sind. Aber dann klappts und mit einem für mich guten Schnitt von 5:30 min/km gehts in Richtung Altstadt und vorbei an den Stimmungsnestern und wieder zurück zum Stadion.

Auf gehts zur 2ten Runde und ab jetzt wirds zäh, weil ich dieses Jahr noch nicht auf diese Temperaturen trainiert bin und jetzt einfach die Luft raus ist. Bei km 15 steht wieder der bestgelaunteste Streckenposten von heute, er ruft jeden Athleten Sätze wie "Ihr seit´s so geil", "schauts schneidig aus", "Ihr seit´s Wahnsinn" usw. entgegen. Weil ich finde, man kann den Helfen bei einem solchen Event nie genug danken, erwiedere ich "nö du bist der Beste!" Darauf folgt eine etwas überraschenden Antwort "Nein, ihr seits es, weil ohne euch wär ich arbeitslos..." :-). Zwei Kilometer vorm Stadion laufe ich auf einen gehenden Mitstreiter auf und versuche ihn zu ermuntern mit mir zusammen die letzen 2 km ins Stadion zu laufen. Er sieht mich nur ungläubig an und sagt "ich muss noch ne Runde, aber lass es Krachen".

Wenn mir vor 5 Jahren jemand gesagt hätte dass ich in 2016 in St Pölten bei einer Mitteldistanz starte und ankomme hätte ich ihn für verückt erklärt, zu meinem Glück hat es keiner getan.

Nach 5 Stunden und 52 Minuten ist es endlich soweit ich darf in den ersehnten Zielkanal einbiegen und ein Ende der Schmerzen ist in Sicht..... Ein unbeschreiblich geiles Gefühl....         Dafür machen wir den Scheiss.Finish 1458